Elektrische Fußbodenheizung im Bad nachrüsten: Aufbauhöhe, Leistung, Montage und echte Kosten

Warum eine elektrische Fußbodenheizung im Bad?

Warme Fliesen, schnelleres Trocknen, weniger Feuchtegefühl - eine elektrische Fußbodenheizung macht kleine und mittlere Bäder sofort komfortabler. Sie ist dünn, punktgenau regelbar und ideal zum Nachrüsten auf vorhandenen Fliesen oder Estrich.

Für Bestandsbäder in Deutschland ist die Dünnbett-Variante mit Heizmatten die gängigste Lösung. Wichtig sind eine saubere Planung der beheizten Fläche, die passende Leistungsdichte und die Einhaltung der Badnormen. Elektrische Arbeiten und der Anschluss an das Netz gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.

Im Vergleich zur wassergeführten Heizung ist der Eingriff geringer und die Reaktionszeit kürzer. Richtig geplant, bleibt die Aufbauhöhe bei 6-10 mm plus Fliesen und die Betriebskosten im Rahmen.

System Aufbauhöhe Einsatz Richtpreis/m2
Heizmatte Dünnbett 3-5 mm + Kleber Bad, auf Fliese oder Estrich 25-40 Euro
Heizkabel lose 5-8 mm im Kleber Unregelmäßige Flächen 20-35 Euro
Infrarot-Folie 2-3 mm trocken Nicht für Nasszonen geeignet 20-30 Euro
Modernes Bad mit grauen Fliesen und Thermostat für elektrische Fußbodenheizung
Dünnbett-Heizmatte unter Fliesen: sauber geplante Sanierung im Bad.

Planung in 30 Minuten: Fläche, Aufbauhöhe, Leistung

1. Beheizte Fläche festlegen

  • Nur freie Bodenflächen einplanen: vor Waschtisch, WC, Duscheingang, Wanne. Unter fest eingebauten Möbeln, Wänden und Sanitärgegenständen nicht verlegen.
  • Typisch in 4-5 m2 Bädern: 2-4 m2 effektiv beheizbar.
  • Skizze erstellen, Maße nehmen, Hindernisse markieren. Heizmatten gibt es in Bahnbreiten 0,5-1,0 m, Längen ab 1 m.

2. Aufbauhöhe prüfen

  • Auf vorhandene Fliesen: 3-4 mm Matte + 3-5 mm Flexkleber + Fliese oder Spachtelung. Realistisch 6-10 mm plus neuer Belag.
  • Türen und Schwellen prüfen: Reicht die Luft unter der Tür? Ggf. Tür kürzen oder Übergangsprofil vorsehen.
  • Für bessere Effizienz 6-10 mm XPS- oder Hartschaum-Dämmplatten einplanen, wenn Aufbauhöhe es zulässt.

3. Leistungsdichte und Strom

  • Bad-Komfortbetrieb: 120-160 W/m2. Bewährt: 150 W/m2 auf Fliese.
  • Rechenbeispiel: 3 m2 beheizt x 150 W/m2 = 450 W Anschlussleistung.
  • Thermostat mit Bodensensor einplanen. Anschluss an separaten FI-Schutzschalter 30 mA, i. d. R. eigener Stromkreis 16 A empfohlen.

Normen und Sicherheit im deutschen Bad

Maßgeblich ist DIN VDE 0100-701 für Räume mit Badewanne oder Dusche. Sie teilt das Bad in Zonen und regelt Schutzarten und Installationsbereiche.

  • FI-Schutz: Alle Stromkreise im Bad mit 30 mA RCD absichern.
  • Zonen: Bodenflächen gelten in der Regel als Zone 1. Heizsystem und Thermostat müssen für die vorgesehene Zone zugelassen sein. Thermostate meist außerhalb Zone 1 platzieren, alternativ in UP-Dose außerhalb des Bades.
  • Schutzart: Im Spritzwasserbereich mindestens IPX4, in direkter Duschzone höhere Anforderungen je nach Einbausituation. Herstellerangaben sind zwingend.
  • Feuchteschutz: Wassergeprüfte Abdichtung unter Fliesen (Verbundabdichtung) nach relevanten Merkblättern, besonders im Duschbereich.
  • Elektrischer Anschluss: Nur durch Elektrofachbetrieb. Isolations- und Widerstandsmessung vor und nach dem Verlegen protokollieren.

Montage Schritt für Schritt auf vorhandener Fliese

Voraussetzung: Feste, saubere, fettfreie Fläche, tragfähige Fugen. Schäden und Hohllagen vorab sanieren.

  • 1 - Untergrund vorbereiten: Fliesen gründlich reinigen, matt anschleifen, staubfrei. Haftgrund/Primer passend zum Spachtel oder Fliesenkleber auftragen.
  • 2 - Dämmung optional: 6-10 mm XPS-Verbundplatten vollflächig mit flexibler Spachtelmasse verkleben. Stöße verspachteln, Gewebe einbetten. Vorteil: Schnellere Aufheizung, weniger Wärme nach unten.
  • 3 - Sensorrohr setzen: Wellrohr für Bodentemperatursensor mittig zwischen zwei Heizsträngen einlegen, Ende im Blindstopfen luftdicht verschließen. Fühler später austauschbar.
  • 4 - Heizmatte zuschneiden und wenden: Trägermatte auf Maß schneiden, Heizzuleitung nicht beschädigen. Bahnen so legen, dass Mindestabstände zu Abläufen, Wänden und Fugen eingehalten werden.
  • 5 - Elektrische Messung 1: Widerstand und Isolationswiderstand der Matte messen und dokumentieren. Werte mit Herstelleretikett vergleichen.
  • 6 - Einbettung: Heizmatte mit flexiblem C2-Kleber vollflächig einspachteln. Keine Hohlräume. Abziehlatte verwenden, Kabel gleichmäßig bedecken.
  • 7 - Belag: Direkt in frischem Kleber Fliesen verlegen oder mit Nivelliermasse plan abziehen und nach Trocknung den Belag kleben. Geeignete Fliesenformate wählen, punktuelle Lasten vermeiden.
  • 8 - Fugen: Nach Herstellerzeiten verfugen. Dehnfugen übernehmen, Silikonfugen an Rändern.
  • 9 - Elektrische Messung 2: Erneut Widerstand und Isolationswiderstand messen, protokollieren.
  • 10 - Anschluss: Elektrofachkraft schließt Thermostat, Fühler und Heizmatte an den abgesicherten Stromkreis an. Funktionsprüfung, Parametrierung.

Tipps aus der Praxis

  • Die Zuleitung der Matte an einer Stelle mit später verdeckter UP-Dose einplanen.
  • Im Duschbereich nur Systeme verlegen, die explizit dafür zugelassen sind, und Abdichtung besonders sorgfältig ausführen.
  • Fugenheizkabel in bodengleichen Duschen vermeiden, wenn Gefälle und Ablaufrinnen die Verlegung erschweren.

Steuerung, smarte Funktionen und Regelung

Ein gutes Bad-Thermostat schont Strom und Nerven. Wichtige Funktionen:

  • Bodensensor plus Raumüberwachung: Verhindert Überhitzung des Bodens, hält Komforttemperatur.
  • Adaptive Aufheizung: Startet rechtzeitig, damit es zur Nutzungszeit warm ist.
  • Timer und Wochenprogramm: Typisch 2-3 Heizfenster morgens und abends.
  • Fenster-auf-Erkennung: Schaltet bei schnellem Temperaturabfall ab.
  • Smart Home: WLAN oder Zigbee zur Einbindung in Home Assistant oder App. Achte auf offene Schnittstellen und lokale Steuerung.
Wandthermostat mit Fußbodensensor im Bad
Smarter Regler sorgt für konstante Bodentemperatur.

Betriebskosten realistisch rechnen

Beispielrechnung für ein 4 m2 Bad mit 3 m2 beheizter Fläche, 150 W/m2:

  • Anschlussleistung: 3 m2 x 150 W/m2 = 450 W.
  • Nutzung: 1,5 h pro Tag im Mittel mit Thermostat-Taktung im Winterhalbjahr, 180 Tage.
  • Verbrauch Wintertag: ca. 0,45 kW x 1,5 h = 0,675 kWh.
  • Kosten pro Wintertag bei 0,33 Euro/kWh: rund 0,22 Euro.
  • Winterhalbjahr gesamt: 180 x 0,22 Euro = ca. 40 Euro.

Ganzjahresnutzung oder höhere Bodentemperaturen erhöhen die Kosten. Dämmplatten unter der Heizung reduzieren Laufzeiten spürbar, vor allem auf Altbau-Decken.

Kosten in Deutschland: Material und Handwerk

  • Heizmatte 150 W/m2: 25-40 Euro/m2.
  • Thermostat mit Bodensensor: 60-200 Euro, smart 120-250 Euro.
  • XPS-Verbundplatten 6-10 mm: 10-20 Euro/m2.
  • Flexkleber C2/S1 und Spachtelmasse: 20-35 Euro pro Sack, je nach Fläche 2-4 Säcke.
  • Primer, Fugenmaterial, Kleinmaterial: 30-80 Euro.
  • Elektriker Anschluss, Messprotokoll: 150-350 Euro.

Rechenbeispiel: 3 m2 beheizt, 4 m2 Arbeitsfläche insgesamt. Material 300-600 Euro, Elektriker 200 Euro. Mit neuen Fliesen und Arbeitszeit durch Fachbetrieb kann das Paket 1200-2500 Euro erreichen. DIY bei Verlegearbeiten senkt die Summe, Anschluss bleibt Facharbeit.

Typische Fehler vermeiden

  • Zu wenig Fläche: Nur ein schmaler Streifen vor dem Waschtisch bringt wenig. Plane zusammenhängende Zonen.
  • Falsche Leistungsdichte: Unter 120 W/m2 wird es bei Fliese oft träge. 150 W/m2 sind im Bad praxistauglich.
  • Sensor falsch platziert: Fühler immer im Rohr, mittig zwischen Heizkabeln, nicht zu nah an Außenwand.
  • Ohne Dämmung auf kaltem Untergrund: Verluste nach unten steigen, Aufheizzeit verlängert sich.
  • Messungen weggelassen: Widerstands- und Isolationswerte vor und nach Einbau dokumentieren.
  • Unsichere Zonen: In der Dusche nur mit freigegebenen Systemen, sauber abgedichtet und normgerecht.

Mietwohnung: Was ist erlaubt, welche Alternativen?

Eine fest eingebaute elektrische Fußbodenheizung verändert den Bodenaufbau - Vermieterzustimmung ist nötig. Rückbau kann aufwendig sein.

Reversible Alternativen

  • Infrarot-Deckenpanel 300-500 W: Montage an Dübeln, steuerbar, heizt schnell. 150-400 Euro.
  • Elektrischer Handtuchheizkörper mit Stecker: 300-600 W, trocknet Handtücher, spürbare Raumwärme. 120-400 Euro.
  • Badheizlüfter mit Kurzzeit-Timer: Günstig, laut, aber effektiv für 10-15 Minuten. 30-100 Euro.

Alle Geräte mit ausreichender Schutzart wählen und spritzwassersicher montieren. Steckdosenposition und Last beachten.

Pflege, Betrieb und Garantie

  • Boden erst nach vollständiger Aushärtung von Kleber und Fugen aufheizen, gemäß Hersteller, oft 7-14 Tage.
  • Regelmäßig Thermostatprogramme prüfen und an Saison anpassen.
  • Bei Störung nicht in den Boden bohren oder stemmen. Messung und Reparatur nur vom Fachbetrieb, Garantiebedingungen beachten.

Podsumowanie

  • Beheizte Fläche realistisch ermitteln, Hindernisse aussparen.
  • Aufbauhöhe 6-10 mm plus Belag einkalkulieren, Türhöhen prüfen.
  • Leistungsdichte 150 W/m2 für Fliesen im Bad bewährt.
  • Dämmplatten unter der Matte verbessern Effizienz deutlich.
  • Normen im Bad beachten, Anschluss nur durch Elektrofachkraft.
  • Thermostat mit Bodensensor und Zeitprogramm spart Energie.
  • Materialkosten ab ca. 300-600 Euro bei 3 m2 Heizfläche, plus Elektriker.
  • In Mietwohnungen Alternativen wie IR-Panels oder Handtuchheizkörper prüfen.

FAQ

Kann ich auf vorhandene Fliesen verlegen?

Ja, wenn die Fliesen fest sitzen, tragfähig und sauber sind. Primer auftragen, Matte einspachteln und neu fliesen oder spachteln. Aufbauhöhe und Türspiel prüfen.

Wie lange dauert es bis zur ersten Inbetriebnahme?

Je nach Kleber und Spachtelmasse 7-14 Tage Trocknungszeit. Erst dann einschalten, um Schäden und Blasenbildung zu vermeiden. Herstellerangaben sind maßgeblich.

Reichen 100 W/m2 im Bad?

Für reine Behaglichkeit oft zu knapp, besonders auf kalten Untergründen. 120-160 W/m2 sind praxistauglich, 150 W/m2 haben sich unter Fliesen bewährt.

Darf die Heizung in der Dusche liegen?

Nur wenn das System dafür zugelassen ist, die Verbundabdichtung korrekt ausgeführt wird und alle Normen eingehalten sind. Planung und Anschluss gehören zum Fachbetrieb.